Wort & Bühne

Sa
22.10.2022

15 Uhr
nicht im zakk

VVK € 6 / AK € 8
Treffpunkt: D-Reisholz S (Bushaltestelle, Steig 2), Düsseldorf-Hassels
zakk Ermäßigung

Flanieren wird in der Regel mit dem Umherschlendern auf Promenaden und dem Verweilen in Cafés in Verbindung gebracht. Doch wie verhält es sich in Randbezirken, in Vororten, in Hochhaussiedlungen? Kann hier flaniert werden, unbeschwert Zeit mit ziellosem Spazieren verbracht werden? Und wie ist es, sich als sichtbare queere Person durch die Öffentlichkeit, durch Wohngebiete zu bewegen? Awista Gardi wird uns zu diesen Fragen mit einer Auswahl an Lyrik und Prosa durch Düsseldorf-Hassels begleiten.

Awista Gardi beschäftigt sich in verschiedenen aktivistischen, künstlerischen, wissenschaftlichen und persönlichen Bereichen ihres Lebens mit Fragen danach, wie Diskriminierung und gesellschaftliche Herrschaftsstrukturen funktionieren und was es für Möglichkeiten gibt, um diese Verhältnisse zu verändern.

Flanieren bedeutet langsames, genüssliches Umherschlendern, ohne Ziel, ohne Eile, ein Verweilen, ein Pausieren, ein bewusstes Aufnehmen der Umgebung mit allen zur Verfügung stehenden Sinnen. Der klassische Flaneur ist im 19. Jahrhundert bekannt geworden, trug Stock, Mantel und Hut, kam aus den gehobenen Schichten oder der Bohème und hatte somit Zeit für Müßiggang.

Durch die Pandemie sind Spaziergänge zu einer weit verbreiteten Freizeitbeschäftigung geworden. Ein Sich-Bewegen unter freiem Himmel ist momentan die bevorzugte Variante, um Menschen zu treffen und sich auszutauschen.
Verschiedenste Blickwinkel, Lesarten, Fundstücke und Fragen tauchen auf, wenn wir einfach das Haus verlassen und ziellos durch die Gegend streifen wollen.

„Es gibt Dinge, die es unmöglich machen, Flâneuse* zu sein. Zum Beispiel nur in bestimmter Kleidung und in Begleitung rausgehen zu dürfen oder wenn es sich generell nicht gehört, sich Zeit dafür zu nehmen, umher zu gehen und die Umgebung anzuschauen. Das passiert hier und anderswo. Manchmal durch gesetzliche Verbote, manchmal einfach durch gesellschaftliche Konventionen.“
So schreibt es „Die Flâneuse* zusammen mit den Herausgeberinnen“ von „Flexen“, einem Essay-Band, welcher 30 unterschiedliche Texte zum Flanieren und eben Flexen, dem sehr bewussten, feministischen Bewegen im städtischen Raum, vereint.

In zehn Literaturspaziergängen wollen wir Ungleichgewichten nachgehen, zwischen Kopf- und Fußwegen balancieren, begleitet von Autor*innen, die sich mit dem Sich-Draußen-Bewegen auseinandersetzen, dem Sich-Treiben-Lassen, dem Sich-Erlauben. Wir wollen uns in die Städte begeben, die verwinkelten Gassen, die Ladenstraßen, die Randbezirke, die Vororte, die ländlichen Ausläufe. Wir wollen die Städte lesen. Dabei untersuchen wir: Wer kann überhaupt flanieren? Gibt es Unterschiede dabei? Welche Orte sind für wen erreichbar? Kann Flanieren ein Weg sein gegen die Schnelligkeit, das Hetzen, das Ankommen-Müssen? Kann Flexen ganze Orte und Städte zurück erobern?

Hierfür wird an fünf Wochenenden von Mai bis September jeweils ein kombinierter Spaziergang in Wuppertal und Düsseldorf, sowie umliegenden Gebieten, veranstaltet. Regionale Autor:innen und Darsteller:innen tragen dabei an unterschiedlichen Orten Texte vor, die die ganze Spannweite von Flanieren behandeln und zu einem Diskurs anregen. Es wird einen Literaturspaziergang in Zusammenarbeit mit Decolonize Wuppertal geben, einen Nachmittag, an dem ausschließlich geflext wird, eine Auseinandersetzung mit der Bewegung der Zukunft, den Versuch, dass sich die Städte in der Mitte treffen, sowie einen Nachtspaziergang mit Poetry Slam.

Veranstalter*innen: Börse Wuppertal & zakk. Mit freundlicher Unterstützung des Ministeriums für Kultur & Wissenschaft (Land NRW)