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Apsilon: Haut Wie Pelz | Lieblingsplatte vol. 10
Wichtige Popalben live im zakk
Das Lieblingsplatte-Festival wird gefördert vom Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW und unterstützt von sipgate sowie den Stadtwerken Düsseldorf
Mit Songs wie »Baba«, EPs wie »32 Zähne« oder »Blei« und Zusammenarbeiten mit Bazzazian, LUVRE47 oder Wa22ermann hat Apsilon sich in gerade mal zwei Jahren vom Newcomer aus Berlin-Moabit zu einem echten Hoffnungsträger für hiesigen HipHop entwickelt. Mit »Haut wie Pelz« veröffentlicht Apsilon jetzt sein langerwartetes Debütalbum.
Die Idee für »Haut wie Pelz« kam Apsilon nach der Veröffentlichung seiner Single »Baba« im Jahr 2023, mit der er sich auf berührende Weise an seinen Vater wandte. »Nach dem Release ist mir klar geworden, in welche Richtung das Album gehen soll«, erinnert sich Apsilon.
Als Sohn türkischer Eltern und Gastarbeitenden ist er immer noch da, wo er aufgewachsen ist - in seiner Heimat Moabit. Nach fast 10 Jahren Texte schreiben verbringt Apsilon seit gut zwei Jahren viel Zeit im Studio. Inhaltlich gibt es Deutschrap mit antikapitalistischer Analyse ohne erhobenen moralischen Zeigefinger. Provokante Gesellschaftskritik ohne Kompromisse gegen weißdeutsche Bequemlichkeit und Resignation. Die Delivery ist die pure Wut, der Sound ist trappig und modern. New Wave. Apsilon kommt leger um die Ecke und legt Basketballreferenzen neben Rassismuskritik, reiht geschickt deutsche Redewendungen aneinander, während er sie bricht und so mit der deutschen Sprache dribbelt.
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„Haut wie Pelz“ von Rapper Apsilon
Wut kann so sensibel sein (von Jannik Grimmbacher in taz - Die Tageszeitung, 18.10.2024)
Antwort auf Remigrationsfantasien: Apsilon verhandelt auf seinem musikalisch und textlich packenden Debütalbum Rassismus, Trauma und Männlichkeit.
Was tun, wenn das Land, in dem man lebt, einem das Gefühl gibt, man gehöre nicht dazu? „Haut wie Pelz“, das Debütalbum des Berliner Rappers Apsilon, beginnt mit einer Außenansicht: „Wenn Deutschland mich wieder ansieht / und sagt, mein Herz hat kein Platz hier… / Wenn mein Nachbar keine Menschen, sondern nur sein Land liebt.“
Die Reime sind geprägt von Eindrücken rund um das sogenannte Remigrationstreffen unter Beteiligung von AfD-Mitgliedern in Potsdam in diesem Jahr. Der rechtsradikale Geheimplan zeigte allen Menschen, die auch nur im Entferntesten als „migrantisch“ gelesen werden könnten, dass ihnen nicht einmal der deutsche Pass mehr die Zugehörigkeit zu diesem Staat garantiert.
Apsilons Antwort ist der schonungslose Blick zurück: „Deutschland, ja, Du kannst uns abschieben / Deine Rentner sammeln trotzdem Pfandflaschen aus den Tonnen“. Er wählt den Kampf – gegen ein kapitalistisches System, das Menschen gegeneinander ausspielt und eine Mehrheitsgesellschaft, die dabei mitmacht und lieber gegen ein vermeintliches Außen tritt, als nach oben.
Apsilon, bürgerlich Arda, ist 1997 geboren und im Berliner Bezirk Moabit aufgewachsen. Sein Universum dreht sich um die dort zentral gelegene Turmstraße. Apsilons Großeltern kamen in den 1970ern als Gastarbeiter aus der Türkei nach Berlin. In seinen Rapsongs verarbeitet er den Bruch, den die Migrationsgeschichte durch die Familienbiografie gerissen hat. Beats und Melodien dazu liefert überwiegend sein kleiner Bruder und Produzent Arman.
Arda trat als Rapper erstmals 2021 in Erscheinung. Der rassistische Terroranschlag in Hanau weckt eine Wut, die er ein Jahr darauf im Song „Köfte“ ventiliert. Es ist ein schnelles, dichtes 3-Minuten-Stück. Apsilon setzt immer wieder in verschiedenen Flows an, auch der Beat wechselt zwischendurch. Im Text spannt er einen weiten Bogen von der Ausbeutung seines Opas, über Alltagsrassismus und sein eigenes Fremdheitsgefühl in Deutschland, bis zu aktuellen Debatten um die sogenannte „Leitkultur“ – ja, selbst den Holocaust bringt er unter. Es ist eine Hymne des Desintegriert-Euch: „Man kann doch ein braver Deutscher sein, wenn man nur möchte / Doch ich möchte nicht. Nein danke, trinke Chai und esse Köfte.“
Die konstruktive Emotion
Wut ist selbstverständlich nichts Neues im HipHop. Sie gehört längst zum Instrumentarium eines Genres, das sich der Selbstermächtigung verschrieben hat – auch zum Preis der Erniedrigung anderer, wie der Beef zwischen dem US-Rapper Kendrick Lamar und seinem kanadischen Kontrahenten Drake unlängst zeigte. Apsilon aber richtet seine Wut zielgenau gegen Staat und System sowie gegen jene Teile der Gesellschaft, die helfen, es aufrechtzuerhalten. Aus einer destruktiven wird so eine konstruktive Emotion.
Auf den bisher veröffentlichten drei EPs konzentrierten sich Apsilon und sein Bruder Arman auf ihr Spezialrezept: Indiefresserap auf Trapbeats. Für „Haut wie Pelz“ dagegen ist der Klangteppich nun deutlich breiter, dichter und bunter geknüpft. Da sind etwa der Stolperflow auf dem Titelsong und die hochgepitchten monotonen Vocals bei „Reiche Freunde“. Vor allem aber singt sich Apsilon durch mindestens die halbe Albumlänge – mal mehr, mal weniger kaschiert durch Autotune. Das funktioniert vor allem in letzterem Fall und unter Pianobegleitung, etwa auf „Koffer“ und „Baba“.
Experimentierfreude
Diese Öffnung spielt sich auch auf inhaltlicher Ebene ab. Neben Wut und Selbstermächtigung werden Verletzlichkeit, Selbstzweifel und Liebe in den Texten thematisiert. Etwa in Art eines Chansons in „So leicht“, oder als Ballade in „Baba“. Mit letzterem landete Apsilon einen Hit – und löste eine Debatte um Männlichkeit aus. Darin klagt er auf liebevolle Weise seinen Vater dafür an, dass der zu viel auf sich nehme und es nicht zulasse, auch mal Schwäche zu zeigen.
Apsilon singt „ich hab das auch, Baba“, und erkennt die Probleme seines Vaters auch als seine an. Der Song ist damit der Versuch, sich zu öffnen, einen Dialog zu starten und das vererbte Trauma endlich zu überwinden, das seiner Familie durch Rassismus und Ausbeutung auferlegt wurde.
Baba ist eine liebevolle Ballade, eine Hymne sensibler Männlichkeit und der Versuch, ein Generationen-Trauma zu überwinden
Themenvielfalt und Experimentierfreudigkeit auf „Haut wie Pelz“ versprechen, dass auch in Zukunft Apsilons Musik nicht langweilig wird. Einige seiner besten Stücke sind leider nicht auf dem Album gelandet, sondern wurden bereits auf den EPs veröffentlicht. Dennoch – oder gerade deswegen – rundet „Haut wie Pelz“ ein wirklich beachtenswertes Gesamtwerk eines Rappers ab, der erst seit drei Jahren Musik veröffentlicht.
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Tracklisting „Haut Wie Pelz“:
01. Koffer
02. Lost In Berlin
03. Kopf Im Nacken
04. Grau (featuring Paula Hartmann)
05. So Leicht
06. Haut Wie Pelz
07. Reiche Freunde (feat. Boondawg)
08. Sag Bescheid Interlude
09. Augen In Der Nacht (feat. Blumengarten)
10. BSR
11. Baba
12. Brustumfang
13. Friedensnobelpreis (feat. Caney030)
14. Outro
https://www.instagram.com/apsilon_21
Veranstalter:innen > zakk