Musik

Di. 22.09.2026

20 Uhr
Einlass 19 Uhr
Club

AK €  25,00

CULK um Sängerin und Songwriterin Sophie Löw (alias Sophia Blenda) sind zurück. Und wieder versucht die Wiener Band auf ihre ganz eigene Weise unsere Gegenwart in all ihren Ambivalenzen einzukreisen. Wie fühlt es sich an, heute als Mensch in dieser Welt mit den grenzenlosen Möglichkeiten, den Existenz- und Zukunftsängsten, Sinnsuchen und Identitätsfragen? Auf ihrem neuen, vierten Album tauchen CULK in einen Schwebezustand zwischen Euphorie und Überforderung ein. „smogstar“ erscheint wieder beim Wiener Indie-Label Siluh Records und erzählt von dem pulsierenden Gefühl im Dazwischen. Alles so aufregend. Alles zu viel. Alles zugleich.

Aufgenommen und produziert wurde „smogstar gemeinsam mit Sophie Lindinger (Leyya, My Ugly Clementine). Nachdem ihr letztes, von Wolfgang Lehman produziertes Album „Generation Maximum“ (2023) eine Art lyrische und atmosphärische Bestandsaufnahme ihrer Generation zwischen Weltuntergangsstimmung und kollektiver Hoffnungslosigkeit war, wollte die Band diesmal ein wenig von der Schwere abwerfen. „Ich wollte, dass die Texte leichtfüßiger sind und diesen speziellen Vibe ausstrahlen: zwischen Freiheit fühlen und lost sein“, sagt Sophie über „smogstar“.

CULK – das sind neben Sophie Löw, Christoph Kuhn, Johannes Blindhofer und Jakob Herber. Begonnen hat für die vierköpfige Gruppe aus Wien alles 2018 mit der ersten Single: das von einem Roman der feministischen Ikone Simone de Beauvoir inspirierte Stück „Begierde/Scham“. Seitdem haben sich CULK einen Namen mit komplexen, selbstreflexiven und dunkel funkelnden Songs gemacht, meist auf Deutsch, manchmal auf Englisch. 2019 erschien schließlich ihr selbstbetitelte Debütalbum. Und 2020 mit „Zerstreuen über Euch“ ein kraftvolles Konzeptalbum als Kampfansage an Gender-Rollen, Gewalt und tiefverwurzelte patriarchale Strukturen.
Auf Album Nummer vier geht es jetzt um die endlosen Möglichkeiten, sich vermeintlich ständig neu erfinden zu können. Auch wenn man vielleicht immer noch nicht ganz genau weiß, wer man ist. Eine Stimmung, die sich auch in den urbanen Collagen und Zeichnungen des Artworks wiederfindet, die Sophie Löw im Stil einer Graphic Novel selbst gestaltet hat: Die schwarzhaarige Protagonistin mit dem dunkel verschmierten Eyeliner auf dem Cover ist dabei so etwas wie die fiktive Titelheldin des Albums, die sich durch den Dunst und das schimmernde Versprechen der Großstadt schlägt. Denn wie der Albumtitel schon verrät: Der Smog und die Sterne liegen hier nah beieinander.

Überhaupt ist „smogstar“ ein ausgesprochenes Stadt-Album geworden. „Neue Städte, neue Sicht. Neuer Name, neues Ich“, singt Sophie Löw in „willkommen in der dtadt“, begleitet von verzerrten Gitarren, die immer wieder die Stimmung wechseln. Das ist das Grundrauschen der Platte: das Gefühl neu in eine Stadt zu kommen, sich im urbanen Raum und seiner Anonymität verlieren und neu erfinden zu können und neue Verbündete zu suchen. „Es geht ja auch darum, sich selbst zu erlauben, dass man sich verändern darf“, erklärt Sophie. „Das kann anstrengend und beängstigend sein, aber eben auch sehr befreiend.“
Im Grunde ist „smogstar“ selbst eine kleine Neuerfindung von CULK als Band, acht Jahre nachdem alles angefangen hat. Johannes Blindhofer sagt: „Für uns ging es während der Arbeit am Album auch darum uns zurückzubesinnen: Warum haben wir angefangen gemeinsam Musik zu machen und was bedeutet es für uns?“ So stark wie nie zuvor fühlen sich CULK von ihrem Umfeld in Wien geprägt und dem Gefühl für- und miteinander Musik zu machen. „Daher orientieren sich die neuen Songs auch mehr an dem, wie wir uns selbst beim Spielen hören“, fügt er an. „Wir wollten mit unverkopften Arrangements Intensität und Wucht erzeugen“. CULK spielen auf „smogstar“ freier auf als je zuvor. Die markante Stimme von Sophie steht immer noch im Mittelpunkt der hypnostischen Songs, aber diesmal klingen sie offener, reduzierter und weniger dark. Zu den musikalischen Referenzen gehört dieses Mal die kompromisslosere Soundästhetik von Noise-Rock-Bands der 80er und 90er, wie Swirlies, Sonic Youth und Unwound, oder auch aktuellere Bands wie Julie oder Blue Smiley. „Wir wollten, dass alles eher bare bones und roh und in your face klingt. Was können wir aus uns Vieren herausholen, in dem Moment, in dem wir gemeinsam spielen?“, sagen sie.

In der bereits im März erschienenen Single „twenty, eighteen“ blickt die Band zurück auf die Anfangszeit. Ganz langsam entfaltet der Song zwischen lauten Gitarren und schwirrenden Synthesizern seinen musikalischen Sog und erzählt von Freundschaft und kollektiven Rauschzuständen, von Orientierungslosigkeit, ständigem Unterwegssein und den vielen Fragen, die nie so richtig beantwortet werden, bevor man weitermuss zur nächsten Bühne: „Is my heart full? Is my heart numb? / Did we just start or am I done?“

Auf dem neuen Album gibt es außerdem das „erste richtige CULK-Liebeslied“, wie Sophie sagt. Der Opener – und die aktuelle Single„kaputte speaker“ erzählt vom Verliebtsein und diesem sommerlichen Freiheitsgefühl, wenn der Asphalt nach einem Gewitter dampft und man an nichts anderes denken kann als an das geliebte Gegenüber. Die innere Unruhe bricht sich im kathartischen Refrain mit einer schönen simplen Liebeserklärung Bahn: „Niemand ist mit dir allein.“

Es wäre aber auch kein richtiges CULK-Album, wenn es nicht auch mal schwermütiger zugehen würde: In „weiß nur wer ich nicht bin“ leuchtet Sophie wie in klugen, poetischen Lyrics sich selbst und zugleich die existenziellen Zweifel unserer Zeit aus: „Laufe am seidenen Faden / Ja ich weiß, du hast Fragen / Doch ich weiß nur wer ich nicht bin“
Was wir darüber hinaus wissen: So konsequent ausformuliert war der Popentwurf von CULK noch nie. „smogstar“ ist ein wunderbar nervös flimmerndes Schlaglicht auf unsere Gegenwart.

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Veranstalter:innen > zakk